Wie organisiere und plane ich ein privates Seniorenberatungsbüro?
Älterwerden bedeutet, sich auf neue Lebenssituationen einzustellen, neue Herausforderungen zu meistern und auch kritische Lebensereignisse zu bewältigt. Durch individuelle Beratung von Mensch zu Mensch lassen sich Strategien und Perspektiven entwickeln, die es erleichtern, neue Wege zu finden und problematischen Veränderungen, die sich im Leben eines jeden Menschen ergeben, zu bewältigen.
FSA:
Frau Broy, bevor wir zu den Inhalten Ihrer Arbeit kommen, können Sie kurz etwas zu sich und Ihrem beruflichen Werdegang erzählen?
Als Diplom-Sozialpädagogin war ich zunächst Mitarbeiterin im sozial-kulturellen Dienst eines Altenheims. Danach übernahm ich für einen privaten Träger der stationären Altenhilfe Aufgaben der Assistenz der Geschäftsführung und war zuständig für insgesamt fünf Häuser. Dort waren es insbesondere Koordinationsaufgaben und Unterstützung der Leitunsgsteams in der pre-opening-Phase. Anschließend war ich in der Kreisverwaltung (Leitstelle Älterwerden) betraut mit der Pflegebedarfs - und Infrastrukturplanung eines Kreisgebietes.
FSA: Was hat Sie bewogen, sich mit einem Beratungsbüro für Ältere selbständig zu machen?
Die Erkenntnis, dass in der sich zunehmend ausdifferenzierenden Angebotsvielfalt im Seniorenmarkt und in Anbetracht demographischer Prognosen der Bedarf an trägerunabhängiger Beratung zunimmt. Ich erkannte eine Marktlücke und empfand es als besonders spannende Herausforderung, eine neue Form der Dienstleistung zu schaffen. Ermutigt wurde ich durch den Umstand, dass ich in den vorhergehenden unterschiedlichen Arbeitsgebieten die Vielfalt der Dienste und Angebote kennen gelernt hatte und in den zurückliegenden Jahren ein breit gefächertes Wissen erwerben konnte.
FSA: Welche Form der Beratung bieten Sie an? Persönlich? Telefonisch? vor Ort?
Die erste Beratung findet, wenn möglich, am Telefon als Einstiegs- und Orientierungsberatung statt. Eine anschließende persönliche Beratung findet zumeist bei den Klienten zu Hause in der Wohnung statt; die kleinere Anzahl hier in Erftstadt im Beratungsbüro.
FSA: Welches Spektrum an Beratungsthemen bieten Sie Ratsuchenden an? (Wohnen, Pflege etc.)
Die Themen beziehen sich auf alle denkbaren Fragen im Zusammenhang mit dem Älterwerden. Diese spiegeln insgesamt die Vielfalt der lebensweltlichen Sitationen. Die jüngeren Ratsuchenden haben eher Fragen zur Prävention. Sie suchen nach Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, Bildung und Absicherung. Je älter die Menschen sind, um so häufiger kommen Angehörige zur Beratung. Oft führt die Pflegebedürftigkeit eines Familienmitgliedes mit krisenhafter Zuspitzung und Dekompensation zur Inanspruchnahme der Beratung. Hier sind es Fragen bezüglich der Organisation der häuslichen Versorgung und Entlastung der pflegenden Angehörigen durch professionelle und komplementäre Dienste.
Es sind auch oft Finanzierungsfragen und die Suche nach finanzieller Entlastung. Auch die Wohnberatung gehört zum Spektrum der Beratungsthemen. Diese findet in Kooperation mit einer Architektin statt und ist eine hervorragende Möglichkeit, die selbstständige Lebensführung mit manchmal verblüffend einfachen Mitteln sicher zu stellen. Wenn es sich um sehr spezielle Fragen handelt, wie zum Beispiel Trauerberatung empfehle ich entsprechende Dienstleister.
FSA: Welche Dienstleistungen bieten Sie über die reine mündliche Beratung an?
Die Seniorenberatung bietet neben der individuellen, klientenzentrierten Beratung konkrete Leistungen des Fallmanagements an. Dies ist besonders für Klienten hilfreich, die mit ihrer Situation überfordert sind, keine Angehörigen haben, oder deren Angehörige selbst verhindert sind, derartigen Aufgaben nachzukommen. Die Seniorenberatung hilft bei der Ermittlung des Bedarfs, der Antragstellung von Leistungen, bindet Dienste ein und organisiert notwendige professionelle und ggf. informelle Unterstützung.
FSA: Welcher Personenkreis nimmt Ihre Beratung in Anspruch? Kommen die Ratsuchenden eher aus dem regionalen Umfeld?
Überwiegend kommen die Ratsuchenden aus dem Rhein-Erftkreis und aus Köln. Das hängt mit der derzeitigen Darstellung im Internet zusammen. Unter der Domain www.seniorenberatung.de wird die vorhandene Infrastruktur der genannten Regionen vorgestellt. Auch die geleistete Öffentlichkeitsarbeit bezieht sich auf diese Gebiet, sodass hier Menschen auf das Beratungsangebot aufmerksam werden.
FSA: Mit welchen Kosten müssen Ratsuchende für Ihre Hilfe rechnen?
Die Beratungsstunde wird mit 60,00 Euro berechnet. Bei Hausbesuchen fallen auch Fahrtkosten an, die mit 0,50 Cent je Kilometer berechnet werden.
FSA: Arbeiten Sie mit anderen Professionen zusammen?
Ja, das ergibt sich notwendiger Weise auf der Ebene der Dienstleistungsanbieter, den Mitarbeitern im Gesundheits- und Rehasystem, (Soziale Dienste in Krankenhäusern und Rehakliniken) Ärzte und Geistliche, aber auch Anbieter von Hilfsmitteln und Alltagsprodukten.
FSA: Der Netzwerkgedanke ist in aller Munde, welche Möglichkeiten der Unterstützung bestehen, wenn jetzt Interessierte ebenfalls ein Beratungsbüro eröffenen möchten? Worauf legen Sie wert?
Ich würde mich sehr freuen, wenn in anderen Regionen Menschen mit Beratungskompetenzen Interesse hätten, ein Büro zu eröffnen. Gerne würde ich ihnen meine Erfahrungen zur Verfügung stellen. Als Voraussetzung für die Aufnahme der Tätigkeit sehe ich eine entsprechende beruflichen Qualifikation und umfassende Erfahrungen im Bereich der Altenhilfe. Ich denke, dass Mitarbeiter pädagogischer Berufe und Sozialarbeiter dafür in Betracht kommen. Besonderen Wert lege ich auf Fachlichkeit und Seriosität. Im Falle der Kooperation müssen dafür verbindliche Kriterien festgelegt werden. Den Beratern wird ein hohes Maß an Vertrauen entgegengebracht. Daraus ergibt sich eine besondere Schutzbedürftigkeit.
FSA: Frau Broy, Vielen Dank für Ihre freundliche Mitarbeit!
Kontakt: Seniorenberatung Monika Broy